Sonntag, 22. Oktober 2017

Ich hab den Farbfilm vergessen

Ich hab nicht nur den Farbfilm vergessen, sondern gleich eine ganze Kamera. Obwohl ich wusste das ich mit Sarah ein paar oldschool Fotos mache, habe ich doch meine analoge Kamera vergessen. Was wäre das für eine perfekte Symbiose gewesen mit einer 46 Jahre alten Kamera, ein 46 Jahre altes Auto und ein Model mit einem ca. 46 Jahre alten Kleid zu fotografieren? ;-) Nun gut! Dank moderner Bildbearbeitungsprogramme kann man den Fotos dennoch ein wenig alten Stil einhauchen. Ich bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis!




Mittwoch, 24. Mai 2017

Sohn der Stadt Moskau

Man sieht es an den kahlen Bäumen... ;-) Vor einiger Zeit hatte ich die Möglichkeit mit fotografisch an einem auf Deutschen Straßen recht seltenen Automobils auszutoben. Einem Moskwitsch. In diesem Falle ein Moskwitsch 408 (schon mit dem Motor vom 412), den sich ein Kumpel zu seinem Trabant dazu gekauft hat und somit der Linie zu alten Ostautos treu bleibt. Moskwitsch bedeutet übersetzt "Sohn der Stadt Moskau". Der Wagen wurde auch in der Hauptstadt der ehemaligen Sowjetunion produziert und erfreut sich heute den erstaunten Blicken auf den Straßen unserer Bundesrepublik. War der "Mossi" auch für etwas besser betuchte Kundschaft gedacht, ist er gleichwohl wie viele der Ostautos, für schlechte Straßen geeignet und entsprechend hoch gebaut. Das Fahrwerk lädt nicht zum kurvenfreudigen Rasen ein, eher für einen spontanen Ausflug fernab der Straße mitten in die Botanik. Stock und Stein tun dem rustikalen Russen überhaupt nichts an. Für mich persönlich als Freund der luftgekühlten Volkswagen ist ein Moskwitsch ein merkwürdiges aber sehr interessantes Automobil. Vorallem finde ich es toll das auch junge Leute an diesen Ostautos gefallen finden und sie artgerecht bewegen. Ich möchte nicht weiter noch Worte über dieses Kfz verlieren und gleich zu den Bildern kommen. Sie sind selbsterklärend... ;-)










Sonntag, 12. März 2017

Marokko 2017 - Gedanken, Erlebnisse und die Fotografie

Hey Leute! Gleich vorab: Dies ist ein sehr langer und und gehaltvoller Reisebericht. ;-) Nehmt euch ein wenig Zeit dafür die Fotos zu genießen und den Text zu lesen. Ich danke euch schon mal vorab für das bisschen Zeit welche ihr mir damit widmet.

Marokko... wie kam es dazu? Vor Jahren schon hatten mein bester Kumpel und ich die Idee für eine Reise in das Königreich in Nordwest-Afrika. In unserem Freundeskreis befindet sich glücklicherweise eine Person welche Spaß daran findet Reisen in nicht ganz typische Urlaubsländer bzw. Gegenden zu planen. Da war der erstmalige Vorstoß auf den Afrikanischen Kontinent vielleicht genau die richtige Herausforderung für ihn. ;-) Jedenfalls kam dann irgendwann mal nach Jahre langem nerven ernsthaft der Gedanke auf Marokko zu besuchen. Nach unbändiger Vorfreude ging es doch tatsächlich am 21. Februar diesen Jahres los. Achja... eine Reise mit dem Flugzeug kann Jeder. Zu viert traten wir die Reise übers Land und zu Wasser an, sprich mit Bahn und Schiff. Wir wollen ja was sehen und schließlich ist der Weg das Ziel. Diese Entscheidung wurde selbstverständlich nicht bereut obwohl diese Art zu Reisen ein wenig mehr Zeit erfordert, aber nicht minder teurer ist als die fliegende Reisemöglichkeit. Von Pauschalreisen halten wir übrigens auch nichts... nur individuell geplant und mit Mitspracherecht aller Reiseteilnehmer erlebt man ein Land wirklich so wie es ist. Garantiert nicht auf einer Ferienanlage am Pool und mit einer riesen Reisegruppe zu ein, zwei Sehenswürdigkeiten. ;-)



Eine Bahnfahrt von Karlsruhe nach Barcelona (unsere erste Etappe) kostete uns 100 Euro und wir mussten nur 2 mal Umsteigen. Links unser TGV den wir in Strasbourg bestiegen und rechts der AVE von Lyon nach Barcelona. 

 

Die ganze Zugfahrerei am ersten Reisetag war wirklich kurzweilig und Spanien war bis dahin eine Premiere für mich. 



Nach einem Abendessen ging es dann noch ein wenig durch die abendliche katalonische Hauptstadt.


Unser Gedanke bei dem Anblick der Strandpromenade: Krass... heute Morgen waren wir noch in Karlsruhe. ;-)



Am 2. Tag ging es selbstverständlich weiter mit der Bahn. Diesmal mit einem Talgo-Zug von Barcelona bis Antequera-Santa-Ana. Bei einem längeren Aufenthalt in Valencia kamen mir auch ein paar Motive vor die Linse.




Natürlich auch im Urlaub mit dabei das gute Mischmach. :P Die Fahrt von Antequera-Santa-Ana nach Algerciras zählt echt zu den schönsten Zugfahrten die ich bisher erlebt habe. Die Landschaft ist unglaublich! Oft möchte man am liebsten aussteigen und drauf los fotografieren. Die spanische Gemütlichkeit ist überall zu spüren.

Nachdem wir in Algerciras unser Hotel bezogen hatten ging es mit dem Bus nach Gibraltar. Gibraltar ist ein kleines Land am Nordufer der Straße von Gibraltar und zählt zum British Empire. Das kleine Land hat sogar eine eigenen Währung, den Gibraltar-Pfund. Das letzte mal als ich eine richtige Grenze mit Kontrollen usw. überschritt war als kleiner Junge Ende der 90er. Damals jedoch in die Schweiz.






Gibraltar hat wirklich viel flair und ist echt schön. Ich glaube ich sollte dort mal etwas länger hin reisen. Für den ersten Eindruck hat der kurze Aufenthalt aber ausgereicht. Eine Besonderheit auf Gibraltar ist die Winston Churchill Avenue welche quer die Landebahn des dortigen Flughafens kreuzt. Total irre! :-D

Und dann war der Tag gekommen an dem wir unsere ersten Schritte auf den afrikanischen Kontinent setzen werden. Morgens ging es auf die Fähre von Algerciras nach Tanger Med. Auf dem Schiff bekamen wir schon unseren Einreisestempel für Marokko.







Die Vorfreude wurde immer größer. Wir erspähten arabische Schriftzeichen auf einem Berg an der Hafenstadt Tanger Med. Dort steht: Gott, Vaterland und König.

Da unser Schiff mit 50min Verspätung ankam wurde es gleich mal ein wenig hektisch. Unser Anschluss auf den Zug nach Tanger Ville stand in Gefahr und es war der letzte für diesen Tag. Nachdem meine 3 Reisebegleiter ohne Probleme durch die Gepäckkontrolle kamen, musste der marokkanische Grenzbeamte unbedingt herausfinden was sich für ein längliches Teil in meinem Koffer befand. Auf dem Scanner wurde wohl nicht ersichtlich das es sich einfach nur um ein Kamerastativ handelte... :-P


Wir bekamen den Zug in allerletzter Minute. Als wir angerannt kamen rief uns der Lokführer sinngemäß zu wir sollten doch langsam machen, denn wir sind schließlich in Marokko. ;-)



Nach dem Umstieg in Tanger Ville auf den Zug in die marokkanische Hauptstadt Rabat, erwartete uns eigentlich eine rund 4 stündige Zugfahrt. Zeit für eine gute Reiselektüre über Marokko oder ein paar Partien Schach. Auf dieser Fahrt bekamen wir viel von der frühlingshaften Landschaft Marokkos mit und sahen sogar schon die ersten Kamele die seelenruhig auf den Feldern ihrem gemütlichen Leben nachgingen. Die Bahnfahrt dauerte aufgrund schwerer Regenfälle und dadurch resultierenden Überschwemmungen etwas länger an und somit kamen wir mit 5 Stunden (!) Verspätung in Rabat an. :-D Wir waren Fasziniert von der Gelassenheit der Marokkaner. In Deutschland wäre man schon mit Feuer und Fakel auf die Verantwortlichen los gegangen.

Nach einem wunderbaren Abendessen und einer ruhigen Nacht waren wir bereit uns auf die marokkanische Kultur zu stürzen. Unser Hotel lag relativ zentrumsnah, so konnten wir zu Fuß in die Stadt.




Auf den ersten Metern begegnete uns ein großer Taxiparkplatz. Man sah Mercedesmodelle die bei uns vor einigen Jahren zuletzt als Taxi unterwegs waren. Einfach kultig! Die "Grand-Taxis" stellen eine wichtige Säule im öffentlichen Verkehr Marokkos dar. Der Fahrpreis muss  vorab ausgehandelt werden. In den alten 5-Sitzern finden meistens 6-7 Leute Platz. Ein stolzer Taxifahrer mit seinem Mercedes 300D ließ sich sogar von uns fotografieren. Geiler Typ! 




Neben den alten Taxis hat es aber auch moderne Verkehrsmittel in Marokko. Das Land befindet sich zurzeit im Umschwung. Der junge König investiert viel in den Verkehr und in die Straßen seines Landes. Trotz dieser Anstrengungen ist vieles noch bei der Tradition verblieben. Unter anderem auch der Personenkult um den aktuellen Thron. Das Portrait Mohamed VI ist überall zu sehen. Ich hoffe das sein Sohn in vielen Jahren an die gleiche Strategie wie sein Vater anknüpft und die Moderne mit der Tradition verbinden kann. Auch wenn in der westlichen Welt ein derartiger Personenkult aus der Zeit gefallen ist, ist in meinen Augen gerade im Fall Marokkos nichts daran zu bemängeln wenn das Land durch die Führungsspitze einen Aufschwung erlebt.












In der Medina (Altstadt) begegneten wir der typischen arabischen Marktkultur. Überall verschidene Gerüche, man bekommt alles was man zum Leben brauch! Gewürze in Hülle und Fülle.













Viel größer könnten die Gegensätze nicht sein! Ja es ist ein wenig schwer zu Verarbeiten wenn man als "reicher Europäer" zum ersten mal in ein solch armes Land reist. Man überschreitet sehr oft die Grenze zwischen Arm und Reich, sieht auf einer Seite das Leid auf der anderen Seite den Aufschwung. Ein Fischer leert Wasser aus seinem Boot, er verdient wahrscheinlich nicht viel. Der durchschnittliche Marokkaner verdient 800 Dirham im Monat, das sind rund 80 Euro. Wir überquerten für einen lächerlichen Preis per Ruderboot den Fluss Bou-Regreg und landeten in der benachbarten Stadt Salé. 


Am Ende des Tages war ich dann doch froh mit meinem Freunden gemütlich Abend essen zu können. Bei französischer Livemusik, leckeren Kefta und gutem marokkanischem Bier. Der Kopf war einfach voll ob der vielen Eindrücke welche ich innerhalb eines Tages aufnehmen musste. Man denkt viel über das gesehene nach. Die Faszination ist riesig, das Mitleid über die Armut vieler Menschen ist jedoch nicht viel kleiner. Marokko ist beim Erstbesuch und vor allem beim richtigen Kennenlernen der Kultur in den alten Vierteln und Märkten wahrlich kein einfaches Reiseland. Das ist eine vollkommen andere Welt. Allein schon kurios das in einem arabischen Land die Amtssprache Französisch ist. ;-) Dies rührt aus der Kolonialzeit her. Doch man darf manche Dinge nicht zu sehr an sich ran lassen! Wichtig ist es nicht zu voreingenommen an das Land heran zu gehen, jedoch mit einer bedachten Portion Vorsicht.




Tags drauf ging es mit dem Zug in die Königsstadt Fes. Unglaublich wie Grün Marokko im Frühjahr ist. Diesmal genossen wir den Komfort der 1. Klasse und lernten eine Chinesin kennen welche für die Kleiderindustrie arbeitet und diesmal auf Dienstreise in Marokko verweilte. Fes ist bekannt für die Lederindustrie. Da liegt es nahe das sich Vertreter weit entfernter Klamottenfirmen auch dort hin verirren. 

Auch einfach toll sind die Orangenbäume welche auf vielen Bahnhöfen auf dem Bahnsteig wachsen. Daran könnte man sich gewöhnen! Genascht haben wir aber nicht.





Nachdem wir in Fes unseren Mietwagen abgeholt hatten ging es Richtung Hoher Atlas. Ein Gebirge welches sich weit durch Marokko zieht. Die Landschaft veränderte sich, es wuchsen immer weniger Pflanzen in der Umgebung. Auf unserem Weg begegneten uns Straßenfahrzeuge längst vergangener Epochen. Sie sind in Marokko aber noch alltäglich. So wie dieser rote Bedford Lkw oder der Golf 2 sowie diverse alte Renaults und Mercedes.



Eine Szene wie im Film! Eine verlassene kleine Festung (Kasbah) mitten in der Pampa im Hohen Atlas. Doch wir waren nicht alleine... relativ schnell tauchten Leute des Berberstammes (Die Berber sind eine Ethnie in Nordafrika) auf und bettelten um Geld. Wir sahen zwar in Rabat schon arme Menschen doch diese Situation war gänzlich neu für uns. Diese Leute sind wirklich bettelarm. Sie leben in Zelten, ohne Strom und fließend Wasser. Im Winter wird es wirklich kalt in dieser Region. Landwirtschaft ist nicht im großen Stil möglich. Da uns die Situation aufgrund der raschen Vermehrung der Leute und deren Haustiere zu unheimlich wurde, fuhren wir weiter. Bei einer erneuten Begegnung gaben wir einer Berberin eine Flasche Wasser. Im Islamischen Glauben ist das betteln übrigens nicht so verpöhnt wie in der westlichen Welt. Armen Menschen gibt man dort eher mal ein paar Münzen oder Lebensmittel. Ein guter sozialer Aspekt wie ich finde!






Die Landschaft ist einfach faszinierend! Wir befuhren Bergpässe, lange flache Ebenen, durchquerten einige Ortschaften. Die Neugierde war ungebrochen, irgendwie einschlafen war unmöglich. Es gab einfach zu viel zu sehen! 

Im Dunkeln kamen wir in Errachidia an und bezogen unser Hotel. Wir lernten beim gemütlichen Abendessen mit gutem marokkanischen Wein die moderne Abendgesellschaft des Königreiches kennen. Obwohl bei den Muslims Alkohol verpöhnt ist, sahen wir einige Leute welche Bier und Wein tranken und auch in ausgelassenen Mengen. Eine Gesellschaft wie in Europa. Marokko ist nicht nur landschaftlich sehr abwechslungsreich, sondern auch kulturell und von den Menschen her. 


Der Blick aus dem Hof des Hotels. Einfach ein Blick auf die Pampa und im Hintergrund die Berge des hohen Atlas. ;-) 



Coca Cola gibt es wirklich überall. Auch in abgelegenen und trockenen Gebieten.


Unweit von Errachidia besuchten wir eine Oase unterhalb einer vor vielen Jahren verlassenen Kasbah. Faszinierend der Blick über die Palmen hinweg auf den verlassenen Ort. Drum herum die knochentrockene Steinwüste. Während meine Freunde den Weg zur Kasbah ausfindig machten genoss ich ein paar stille Minuten unter den Palmen. Es war angenehm warm mit leichtem Wind, doch man merkt das die Sonne weit aus stärker strahlt als in Deutschen Gefilden. In der Oase leben auch Menschen und pflegen ein kleines kulturelles Zentrum welches in der Kolonialzeit von den Franzosen angelegt wurde. Ich erstand dort einen Tagine-Topf für einen kleinen Preis. 


Ein bisschen Grand-Canyon-Style. Am Fluss entlang können sich die Pflanzen noch ihr Wasser holen, doch drumm herum ist die Landschaft karg und trocken. Faszinierender Anblick! 



Wir erreichten die Stadt Rissani. Dieses Stadttor wurde von König Mohammed VI (M6) gesponsert. Stolz wird dieses architektonisch wertvolle Bauwerk präsentiert. Auch hier findet eine Umgestaltung des Straßenraumes statt. Die Finanzierung der Verkehrswege reicht auch bis in die abgelegenen Regionen.








Auf der Suche nach einem Parkplatz wurden wir schnell von einem Fremdenführer angesprochen. Er würde uns zum günstigen Preis die Medina von Rissani zeigen und uns uneingeschränkte Fotomöglichkeiten ermöglichen. Wir schenkten ihm unser Vertrauen und bereuten es nicht. Der Markt von Rissani ist sehr authentisch da die Stadt auch nicht so touristisch überlaufen ist. Aber natürlich war es logisch das auch die Freunde und Geschäftspartner unseres Fremdenführers etwas vom Kuchen ab haben wollten. Nach der Besichtigung des Schaf- und Eselmarktes ging es in einen Teppichladen. Man erklärte uns einiges zur verschiedenen Teppichen und vor allem behandelte man uns freundlich und fair. Von einem roten Teppich war ich tatsächlich angetan und erstand ihn für 330 Dirham nachdem er mir für 550 angeboten wurde. Wichtig ist es geschickt zu verhandeln! Man sollte als Tourist nicht davor scheuen gleich mehr als die Hälfte vom Preis runter zu gehen. Man kommt sich schon entgegen und am Ende sind alle Glücklich. Umgerechnet 30 Euro für nen handgemachten Teppich ist doch in Ordnung oder nicht? ;-) Nach einem Glas Tee ging es weiter...




Man lernt das echte Leben Marokkos kennen. Auf den Straßen herrscht ein reges treiben wie man es in Deutschland nicht kennt. Hier und da reitet jemand auf seinem Esel vorbei, man bekommt Gewürze und andere interessant riechende Dinge vor die Nase gehalten. Aber man ist dort nicht beleidigt wenn man ohne Kommentar weiter geht. Das rege Handeln ist eben ein Teil der Kultur.


Auf unserer weiten Fahrt wurde die Landschaft wieder flacher und karger. Irgendwann erspähten wir die ersten Dünen der Erg-Chebbi Wüste. Nun waren wir tatsächlich in der Wüste angekommen. 



Unser Hotel lag genau an der Grenze zwischen Sand- und Steinwüste. Nach der Ankunft bestiegen wir unsere Kamele und ritten in der Karavane in die Wüste hinein. Was für ein Erlebnis! Ein wackeliges Erlebnis. ;-) Doch es sitzt sich ganz gut auf dem Höcker der gutmütigen Dromedare. Nun waren wir wirklich in Marokko angekommen. Dromedare sind übrigens eine Unterkategorie der Altwelt-Kamele. Die zweihöckrigen Kamele (Trampeltiere) sind in Asien zuhause.



Mein haariger Freund an diesem Tag. Kamele sind wirklich sehr geduldige Tiere. Im nächsten Leben werde ich wohl auch eines. Die bequeme Lebensart gefällt mir! ;-) 








Wir blieben eine Zeit lang auf einer hohen Düne um den Sonnenuntergang zu genießen. Der Sand verfärbte sich je weicher das Licht wurde. Der Blick in die Ferne ist wie mit dem Blick aufs Meer zu vergleichen. Die Wüste ist eigentlich auch wie das Meer, nur viel langsamer. Mit dem Wind verändern sich die Dünen und somit die Landschaft. Wie bestellt kam kurz vor Sonnenuntergang diese Karavane vorbei gezogen auf dem Weg zu einem Camp in der Wüste. Hinter dem Erg-Chebbi Gebiet liegt wieder eine Steinwüste und wenig später die Grenze zu Algerien.


Nach einem ausgesprochen leckeren und gemütlichen Abendessen mit Hühnchen aus der Tagine, typisch marokkanischer Suppe, Oliven und Brot ging es noch ein wenig in die Dünen um den klaren Sternenhimmel zu betrachten. Aufgrund der geringen Lichtverschmutzung erstrahlt der Sternenhimmel in voller Pracht. Ich habe die Milchstraße noch nie so klar und deutlich gesehn.

"Thank you very Marrakesh"





Genauso faszinierend wie der Sonnenuntergang ist der Sonnenaufgang in mitten der Dünen. Am Anfang der Morgendämmerung zogen wir los und waren froh an unserem Fotopunkt angekommen zu sein. So ein Marsch durch den weichen Sand ist wahrlich nicht einfach. ;-) In der Bildmitte sieht man unser Hotel (Kanz-Erremal).






Auf dieser Balkon hätte ich wohl eine halbe Ewigkeit verweilen können. Ich tat es immerhin über eine Stunde lang. Einfach nur da sitzen, den Blick über die Dünen schweifen lassen und die Seele baumelt nur so dahin. ;-) Das Hotel war eh total geil... Morgens wird man von Spatzen begrüßt die durch den Innenhof fliegen, man kann auf der Terrasse frühstücken: Einfach perfekt! Ich muss unbedingt wieder dort hin. 



Kurzer Stopp nähe eines Korallenriffs das vor Millionen von Jahren natürlich unter Wasser lag. Ein Händler bietet echte und gefälschte Fossilien an. ;-) Der alte Bedford-Lkw dient als Blickfang für den Laden und diente auch als wunderbares Fotomotiv.


Ein Verkehrsschild mit einem Kamel drauf... nun hab ich alles gesehn!



Die Wüste bei Merzouga war der weiteste Punkt unserer Reise. Nun begann der langsame aber nicht minder Interessante Rückweg. Durch tiefe Täler und weite Ebenen fuhren wir unserer Unterkunft in Midelt entgegen. Wahnsinn! Man fährt duzende von Kilometern und sieht keine Menschenseele und dann diese Landschaft! Ein Traum. Die Akustik in diesen Tälern ist der Wahnsinn... Bose, Marshall und Teufel können einpacken. ;-)


Kaum zu glauben das diese Landschaft vor Jahrmillionen fast komplett unter Wasser lag. Die Luft dort ist total frisch und klar.



Alte Mercedes Strich-8 sind gerade in ländlichen Regionen ein bewährtes Fortbewegungsmittel. ;-) In unseren Breitengraden werden diese Autos zu mehreren Tausend Euro gehandelt, dort müssen sie durch den harten Alltag. Wir verabschiedeten uns von Midelt und steuerten am 8. Reisetag der Millionenstadt Fes entgegen.


Man muss nicht zwingend in die USA für solche Landschaften. ;-)





 Auf dem Weg nach Fes widmeten wir uns auch ein wenig der Eisenbahnfotografie. 


Der nächste Morgen war angebrochen und es stand noch einiges auf dem Programm. Ein Zug mit einer modernen Lokomotive verlässt die Königsstadt Fes auf dem Weg nach Marrakesch. Das Bahnnetz Marokkos verbindet alle wichtigen Städte und gilt als zuverlässig und pünktlich. Situationen wie auf der Hinfahrt nach Rabat sind eine Ausnahme. 


An diesem Töpfereigeschäft wiederfuhr uns auch ein Teil der traditionellen muslimischen Kultur. Meinem besten Kumpel wurde neben einem Taginetopf zu 20 Dirham auch die Tochter des Ladenbesitzers zur Heirat angeboten. Der Topf den er dort kaufte wird auf ewig der "Topf vom Schwiegervater" bleiben... Das wäre deine Chance gewesen mein Freund! ;-)


Das Marokko der Gegensätze: Moderne Menschen, traditionelle Gewänder, moderne Autos, ein Mann läuft mit seinen 3 Esel vorbei, ein Uniformierter sorgt für Recht und Ordnung. Ganz normal in der Medina von Fes. Die Kriminalrate in Marokko liegt übrigens unter der Deutschen. Die Präsenz der Polizei und des Militär ist deutlich zu spüren. Trotzdem sollte man sich vor Taschendieben in Acht nehmen. 




In der 360°-Grad-Geo Reportage "Die andere Seite des Paradieses" sah ich ihn bereits und nun begegnete er mir in Real aus der Ferne. Das ist Si Mohamed, selbsternannter bester Gerber Marokkos. ;-) Die Reportage ist echt interessant. Ihr findet sie auf Youtube! Sie verrät einiges über die alte Handwerkskunst der Gerberei.


Was wir uns unbedingt in Fes ansehen wollten ist das Gerberviertel in welchem nach Jahrhunderte alter Tradition Tierhäute gegerbt und gefärbt werden. Ohne Schutzkleidung und mit bloßen Händen und Füßen werden die Häute in Betonbottichen gewaschen und gefärbt. Eine völlig ungesunde und vorallem stinkende Angelegenheit. Das rohe Leder wird zuerst in einer Mischung aus Wasser und Taubenkot gereinigt und enthaart. Anschließend in natürlichen oder chemischen Produkten gefärbt und in der Sonne getrocknet. Von dem Dach eines Lederladens aus konnten wir der Arbeit der Gerber zu sehen. Das Leder welches hier produziert wird ist wirklich von allerhöchster Güte und es ist weich wie Seide. Da wir nichts kaufen wollten wurden wir schnell zum Verlassen des Gebäudes gedrängt. ;-) 



Mit diesem alten Mercedes erlebten wir die wohl aufregenste Taxifahrt unseres Lebens. Da kein Zug mehr zum Hafen in Tanger Med fuhr mussten wir die 50km von Tanger Ville mit dem Grand-Taxi fahren. Eine Fahrt mit einem alten Mercedestaxi stand eh noch auf dem Programm. ;-) Nachdem unser Gepäck fachmännisch im bzw. am Kofferraum verstaut wurde (der letzte Koffer passte nicht rein also blieb die Klappe halb offen und wurde einfach mit einem Seil runter gezurrt) setzten wir uns ins Stuttgarter Qualitätsprodukt und genossen die Fahrt in den Sonnenuntergang. Alter war der Benz am Arsch! Der deutsche TÜV hätte seine wahre Freude an den dortigen Autos. Der 72PS Diesel schnurrte trotz der 860.000km (oder vielleicht sogar 1.860.000) wie eine Katze... eine alte, meckernde, sich Haare aufstellende Katze aber er lief. Alles klapperte, das Getriebe sang uns ein lautes Lied und das Heck des Wagens schwänzelte in jeder Kurve. Dort muss man echt Autofahren können. Der Taxifahrer klopfte stolz auf das Amaturenbrett als er erfuhr das wir aus Deutschland sind! "Ahhhhh Germany, Mercedes, Volkswagen, Audi!" Er war echt ein Fan und vor allem überaus freundlich und sympathisch. Wir kamen alle heil am Fährhafen an, bedankten uns und schossen noch ein Foto von "unserem" Benz. Der wird sicherlich noch einige Jahre in Marokko seinen Dienst verrichten. 

"No prrrroblem my frrrriend!"

Wir bestiegen die Fähre nach Barcelona unter einer großen Europaflagge. Komisch... irgendwie ist die Flagge für mich ein Synonym für Heimat geworden. Ich hoffe die gute Idee der Europäischen Union wird eines Tages wieder positiver gesehen als aktuell. Wir tranken auf dem Außendeck noch ein marokkanisches Abschiedsbier und verabschiedeten uns von einem sehr schönen Land mit vielen Gegensätzen und unglaublich faszinierender Landschaft und Kultur. Den folgenden Tag verbrachten wir komplett auf See, ganz ohne Internet und mit viel Sonne und vieeel viel Ruhe. Es war wunderbar!




 Bitte etwas Meer!




Morgens kamen wir in Barcelona an. Nach der Einreise und Gepäckkontrolle sperrten wir unser Gepäck am Bahnhof ein, denn es blieben uns noch ein paar Stunden um ein wenig die Innenstadt von Barcelona zu erkunden. 





Mit Zug ging es bis in die französische Grenzstadt Latour-de-Carol wo wir nach einer leckeren Pizza unseren Nachtzug nach Paris Austerlitz bestiegen. 


Das Reisen im Nachtzug ist eine leider sterbende Reisekultur und auch die Verbindung von Latour-de-Carol nach Paris möchte die französische Staatsbahn noch in diesem Jahr einstellen. Mit ein paar Bierchen ließen wir diesen Tag entspannt ausklingen. An Andorra vorbei und durch Toulouse erreichten wir am nächsten Morgen mehr oder weniger ausgeschlafen den Zielbahnhof in Paris, den "Gare d'Austerlitz". 




 In Paris war es leider regnerisch sodass nicht all zu viele Fotos von der Stadt entstanden. Aber ich schaue mir die französische Hauptstadt ein anderes Mal noch genauer an. ;-) Nachmittags ging es dann mit dem ICE nach Hause...


Zum Abschluss meines Reiseberichtes kann ich nur erwähnen das Marokko wirklich eine Reise wert ist. Diese vielfältige Reise hat mich in jedem Fall weiter gebildet und meinen Horizont erweitert. Durch die dortigen Lebensumstände lernt man einiges was man Zuhause hat, viel mehr schätzen. Mit Marokko als muslimisches Land und Königreich betritt man eine andere Welt! Und ja es ist eine Welt von Tausend und Einer Nacht. Die Gerüche, die Menschen, die Natur. Alles strahlt unglaubliche Faszination aus. Wir haben uns schon so einige andere Ziele für zukünftige Marokkoreisen ausgeguckt; Marrakesch, Casablanca und Essaouria z.B! Aber auch in die Wüste möchte ich wieder. Das war eine prägende und wertvolle Erfahrung in meinem jungen Leben. Mit meinen Fotos, dem Taginetopf, dem handgemachten Teppich und anderen Kleinigkeiten brachte ich ein wenig ferne Kultur mit nach Hause und ich werde dadurch immer positiv auf dieses Erlebnis zurückblicken. Jedoch darf man nicht unerwähnt lassen das Marokko ein konsequentes Reiseland ist. Entweder man sagt "Einmal und nie wieder" oder man will immer wieder dort hin. Nach anfänglichen Zweifel komme ich doch zu dem Entschluss das Marokko hoffentlich noch einige Male Ziel meiner Reisen sein wird. Evtl. auch mal mit dem Käfer?
Großer Dank an unseren Tourenplaner und zuverlässigen Freund. Deine Mühen in aller Ehre! ;-) Und natürlich auch ein Dank an die beiden anderen Mitreisenden. Mit euch 3 war der Urlaub genau so wie ich es mir vorgestellt hatte. Cheers!